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Aktualisiert: 29. Dez. 2019

Ich liebe Tiere, ehrlich, die meisten jedenfalls. Bei Mücken bin ich nicht ganz sicher, wie gern ich sie haben sollte. Aber egal. Demzufolge liebe ich auch Hunde und Katzen und Kühe und Pferde. Nicht so lieb habe ich mitunter Halter und Halterinnen.


Pferde, die bellen, ...

Im Frühling kurz hinter Watt bei Regensdorf, auf dem rund drei Meter breiten Radweg Richtung Katzenrüti. Ich stosse mich den sanften Hügel hoch, da kann ich ungefähr zweihundert Meter entfernt eine Ansammlung von Tieren erkennen, die alles verbarrikadieren. Zwei Pferde und fünf Hunde, auf den Pferden jeweils eine Reiterin.


Und: Pfiff!

Ich nehme Tempo raus und rund fünfzig Meter hinter der Tiermenschgruppe pfeife ich – nicht allzu laut, aber so, dass es hörbar sein muss. Und laufe langsam weiter auf sie zu. Die Reiterinnen versuchen Ordnung ins Gefüge zu bringen, alleine: ein Pferd will nicht so recht wie die Reiterin und möchte – vermute ich – lospreschen.


Schuld ohne Sühne

Sie kann es bändigen, kurz bevor ich sie erreiche. Und dann ernte ich Geschrei, Gefluche, Geschimpfe, Anmotze, so etwas habe ich noch nie erlebt. Und einmal mehr bin ich froh um meine Knöpfe im Ohr, die das Gekeife massiv dämpfen und mir meine tatsächlich sehr gute Laune nicht nehmen. Ich höre was von rücksichtslos und lautem Pfiff und eigentlich fehlt nur, dass ich angespuckt werde. Ich laufe weiter und denke: da sind zwei Pferdehalterinnen, deren Pferd nicht will wie sie, und ich bin schuld. Die sich mit zusätzlichen fünf Hunden auf einem Radweg befinden, deren Pferde in der Region Katzensee alles zuscheissen, was zuscheissbar ist, die mit ihren Pferden dafür sorgen, dass Methangase in rauen Mengen in die Atmosphäre entlassen werden, aber ich bin der Depp. Ich bin das Böse? Woaah, es fühlt sich gut an, das personifizierte Böse zu sein. Wie Al Pacino im Film: The Devil’s Advocate. Superfilm, superböse.


Regel: Wer Pfiffe sät, erntet Wiehern.

Es sollte eine lockere Runde durchs Zürcher Unterland werden, früh am Sonntagmorgen, wenn nicht viel los ist. Das Wetter am Startort in Zürich: ein dunkelblauer Frühmorgenhimmel wölbt sich über den Wohnbunkern in Zürich-Nord, glasklare Verhältnisse und tempofördernde Kühle sorgen für viel Motivation. Die Richtung ist vorgegeben: das Neeracher Ried – bei dem Wetter ein Traum. Doch es sollte nicht sein (das Wetter). Ab Rümlang verdüsterte sich der Himmel, ab Oberglatt war alles dicht. Nebel, so weit das Auge reicht – und es reichte gerade mal 20 Meter. Aber ganz ehrlich, irgendwie sah's auch schaurig schön aus. Und für entspanntes Rollen reicht es gut, zumal ich hier so gut wie jede Ecke kenne.


A Dog in the Fog

Ãœberraschung im Nebel

Die Tour wird am Ende rund 30 Kilometer lang sein und führt auf einer grossen Runde an der oben angesprochenen Sumpflandschaft vorbei zurück ins um 8 Uhr bereits 20° C. warme Zürich zurück. Doch in eben diesem Moment rolle ich vom Nebel durchweicht und etwas gar ausgekühlt auf einer Nebenstrasse Richtung Nöschikon. Hinter dem Feldhof taucht aus heiterem Himmel respektive aus dem nebligen Nichts ein Hund neben mir auf und bellt mich an. Ich erschrecke heftig. Der Hund läuft einen Moment lang neben mir her und bellt weiter, und ich beschliesse, so zu tun, als wäre da nichts. Und tatsächlich: plötzlich ist er weg, zumindest ein paar Sekunden lang. Dann bellt es schon wieder, der Hund hat noch nicht genug von seinen Drohgebärden und verfolgt mich hartnäckig.


Fight or Flight

Meine Flucht vor ihm scheint ihn anzustacheln. Meine Stöcke reizen ihn ungemein. Vielleicht aber erkennt er auch, dass das kein Holz ist, sondern irgendwas Undefinierbares, in das er nicht reinbeissen sollte.

Das alles führt bei mir zu einem Umdenken. Ich bremse langsam und kehre die Verhältnisse um. Will heissen: ich setze mich mit dem Gedanken auseinander, meinerseits ihn zu verfolgen. Und als würde der Hund die Gedanken erkennen, kehrt auch er und beginnt zurück zu rennen. Das nun stachelt mich an, ich erhöhe das Tempo und belle auch. Jetzt hat er so richtig Schiss, sein Schwanz klemmt tief zwischen seinen Beinen, so tief, dass sein Rennen eher einem gehetzten Humpeln gleicht. Mir egal, ich belle munter weiter, mache nun richtig Tempo, mein Jagdinstinkt ist geweckt.


I'm bad, I'm bad

Der Zauber dauert rund eine Minute, dann bin ich's leid und ich wechsle wieder die Richtung, diesmal ungehindert. Der Nebel hält mich nicht auf, ein Hund soll's auch nicht, es rollt sich durchaus entspannt jetzt, das ausgeschüttete Adrenalin hält für einige Zeit. Mein Selbstwert ist massiv gestiegen (auch wenn's nur ein Appenzeller Bläss war).

Regel: es fühlt sich gut an, ein böser Hund zu sein.

Aktualisiert: 5. Okt. 2019

Als geneigter Rollskiroller (oder Radfahrer oder Wanderer oder Postbote) kennen wir's zur Genüge. Hunde, die einen anfallen, losbellen, spielen wollen. Nun sind wir aber nicht zwingend im ich-spiele-wahnsinnig-gern-und-natürlich-genau-jetzt-mit-dir-Modus und versuchen deshalb, unbeschadet an den mitunter hysterisch anmutenden Vierbeinern vorbeizukommen. Wenn da nur nicht die Halterinnen und Halter wären.


Dangerous Mind?

Bei allerschönstem Wetter, relativ früh morgens, auf einem Radweg zwischen Rümlang und Oberglatt. Ich rolle von hinten auf zwei Frauen zu, die mit ihren ich weiss nicht mehr wie vielen Hunden unterwegs sind. Sie bemerken mich anfangs nicht, erst als ich rund zehn Meter hinter ihnen ein Signal meiner unmittelbaren Nähe gebe. Worauf eine extrem erschrickt, mich wütend ansieht (nachdem ich langsam an ihr vorbei rolle) und mich auf ihren frei laufenden Hund hinweist, der rund zweihundert Meter weiter vorne für mich unsichtbar in der Wiese herumtollt und der Rollskifahrer nicht möge. So ungefähr. Ich rolle weiter, und sehe tatsächlich einen Hund, der mich noch nicht gesehen hat.


Hundehalterin im Gleichschritt

Hinter mir schnappt es verzweifelt nach Luft, die Halterin rennt hinterher, vermutlich weniger, um mich als vielmehr ihren Hund zu fassen zu bekommen, bevor dieser auf mich losgeht. Irgendetwas schreiend, ich verstehe es nicht, da mit zwei Knöpfen im Ohr voller wunderbarer Trainingsmusik. Dann sieht mich der Hund und das Unvermeidliche passiert: er findet irgendwie Gefallen an mir, rennt auf mich los. Ich beschliesse, ihn nicht als kampfwütig einzuschätzen, verlangsame mein Tempo, halte an und gehe in die Knie, auf Augenhöhe mit dem Hund. Dann passiert … nichts. Der gefährliche Hund wedelt, weiss aber noch nicht so recht, wie er mit dem fast schon geifernd vorgebrachten Informationsüberfluss seiner hysterischen Halterin umgehen soll: „irgendwas sagt sie mir doch?!“. Meine Stöcke habe ich auf den Asphalt gelegt, nun halte ich ihm vorsichtig die Hand hin. Er verliert das Interesse an mir und läuft zu seiner Halterin – die mich, sei’s gesagt, sehr dankbar ansieht und noch so was sagt wie: „ich habe gedacht, dass sie …“, der Rest geht im Trommelwirbel von Dave Turnkrantz unter.


Regel: Verhandle mit Hunden - sie sind vernünftiger als Menschen.

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